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Bertelsmann-Studie zur Kita-Qualität in Thüringen

29.08.2017

Erfurt/ Neudientendorf. Die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Kita-Qualität unterstreicht die dringenden Forderungen der Wohlfahrtsverbände in Thüringen nach einer Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Thüringer Kitas. Nach dieser Studie belegt Thüringen den drittletzten Platz im Bundesvergleich, wenn es um die Frage geht, wie viele Erzieherinnen sich um die Kita-Kinder kümmern. Die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung haben die Politiker im Land aufgeschreckt. „Wir müssen im Rahmen der Kitagesetz-Novellierung bei der Betreuungsqualität dringend nachbessern“, sagt die familienpolitische Sprecherin der SPD, Birgit Pelke. Eine Verbesserung der Kita-Qualität verspricht auch die Linkspartei. Und die Grünen wollen auch einen besseren Betreuungsschlüssel in den Haushaltsverhandlungen durchsetzen.

Auf dem Tisch liegt dafür ein Stufenplan der SPD. Bildungspolitiker Christoph Matschie hatte einen solchen Vorstoß schon im Rahmen seines Kita-Praktikums in der Kita „Frechdachse“ in Jena angedeutet. Die SPD fordert eine Anhebung des Betreuungsschlüssels von derzeit 1:16 bei den Drei- bis Vierjährigen auf zunächst 1:14 ab 1.1.2018. Ein Jahr später soll dann ein Schlüssel von 1:12 gelten. Um die Kita-Träger nicht zu überfordern, soll ihnen jeweils zwölf Monate Zeit gegeben werden, die benötigten zusätzlichen Erzieherinnen und Erzieher einzustellen. Die beiden geplanten Stufen kosten etwa 32 Millionen Euro. Nach Einschätzung der SPD ist im Entwurf des Doppelhaushalts 2018/2019 noch genügend Luft, um das Vorhaben solide gegenzufinanzieren.

Die Studie unterstützt die schon seit langem vertretene Position des Paritätischen, dass vor einem beitragsfreien Kita-Jahr erst die Betreuungsqualität stimmen müsse. Das sagte der Chef der Bertelsmann-Stiftung Jörg Dräger. Bei der CDU stößt das auf Zustimmung. Der TLZ sagte Marion Rosin, die bis vor wenigen Monaten noch der mitregierenden SPD angehört hatte: „Mit den Geldern für ein beitragsfreies Kita-Jahr könnte und müsste Sinnvolleres geleistet werden.“

Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung müssten in Thüringen zusätzlich 8600 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte neu eingestellt werden. Das würde etwa 407 Millionen Euro jährlich kosten. Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege hatte einen zusätzlichen Bedarf von 8000 Stellen errechnet und vom Land einen verbindlichen Stufenplan eingefordert.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter sieht die neue Studie kritisch. Die Kita-Qualität könne nicht allein am Betreuungsschlüssel festgemacht werden, sagte er. Vielmehr gelte es, die Gesamtsituation in den Blick zu nehmen. Thüringen sei bundesweit Spitze bei der Ganztagsbetreuung von Kindern. Für eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels ist das Land nach Holters Einschätzung auf die Hilfe des Bundes angewiesen.

Der Paritätische Gesamtverband verlangte eine bundesweite Qualitätsoffensive in den Kitas mit klaren Zielvorgaben, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam umsetzen müssten. „Im Zweifelsfall hat eine solche Initiative auch Vorrang vor Gebührenfreiheit für Besserverdienende. Gute Qualität für jedes einzelne Kind geht vor Beitragsfreiheit für alle“, so Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Voraussetzung zur Lösung des Problems ist nach Ansicht des Verbands eine deutliche Aufwertung des Erzieherberufes sowie eine Steuer- und Finanzpolitik, die die Kommunen in die Lage versetzt, ihrem Auftrag nachzukommen. „Bei unseren Erzieherinnen und Erziehern liegt nichts Geringeres als die Zukunft unseres Landes. Eine bestmögliche Ausbildung und eine angemessene Bezahlung sind in unser aller Interesse. Für beides hat die öffentliche Hand Sorge zu tragen“, so Schneider.

Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung fehlen zur Sicherstellung der Kita-Qualität aktuell bundesweit 107.200 Fachkräfte und 4,9 Milliarden Euro jährlich. Nach Auffassung des Paritätischen verlangt dies auch einen Kurswechsel in der Steuer- und Finanzpolitik. „Wer es ehrlich meint mit Bildungspakten und Bildungsrepubliken, muss auch die Finanzierungsfrage ehrlich beantworten“, so Schneider. „Ohne Steuererhöhungen sind die vielen sozial- und bildungspolitischen Aufgaben in Deutschland nicht zu bewältigen.“

Pressemitteilung DER PARITÄTISCHE Thüringen

©DER PARITÄTISCHE Thüringen

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